2 Monate durch Brasilien



Zusammenfassung

Juli und August 2012 war ich in Brasilien unterwegs. Begonnen habe ich alleine in Salvador, wo ich fast ein ganzes Monat verbracht habe. Dort habe ich meine portugiesisch Kenntnisse verbessert in einer Sprachschule von ESL. Danach ging es mit einer Freundin weiter durch (fast) das ganze Land.

Salvador da Bahia - Bahia, Brasilien
21 Tage


Den Nachmittag am Strand verbringen!

Der Strand von Salvador befindet sich im reichen Viertel Barra. Dort gelangt man vom Zentrum am besten mit dem Bus. In Brasilien sind Strände nicht einfach Orte um zu entspannen: hier passiert das Leben, dort trifft sich Alles und Jeder! Es geht um Sehen und Gesehen werden. Am Badestrand Praia Porto da Barra reiht sich eine Barraca (kleine Kneipen am Strand) neben der anderen, dort werden nicht nur Getränke verkauft, sondern auch Sitzgelegenheiten und Schirme vermietet, denn niemand liegt dort einfach auf seinem Badehandtuch am Strand und trinkt sein mitgebrachtes Wasser aus dem Supermarkt. Eine Lektion die ich bei meinem ersten Strandbesuch sofort lernen musste. Es macht aber auch einfach so viel mehr Sinn: du musst nicht unnötig eine Tasche mitnehmen, um die du dir Sorgen machen musst, während du im Meer eine Runde schwimmen bist. Du mietest dir also eine Liege, quetscht dich irgendwo zwischen alle anderen SonnenanbeterInnen hinein und bestellst dir um coco (Kokosnuss) oder uma cerveja (Bier). Neben dem Badestrand, der erste der Strände wenn man Stadtauswärts fährt, gibt es noch zwei weitere Strände, die allerdings beide eher weniger besucht werden. Der letztere eignet sich ganz gut zum Surfen, allerdings nur wenn dir Strömung nicht zu stark ist.

Was man auf keinen Fall verpassen sollte!

Dienstag Abend ist Pelourinho-Abend. Auf dem Pelorinho, dem Hauptplatz im Zentrum von Salvador, werden jeden Dienstag Abend Live Konzerte gespielt, Caiprinha Bars aufgestellt und Essen verkauft. Wenn man sich in die kleinen Gassen Rund um den Platz verirrt, trifft man irgendwann auf lautes Getrommel einer Percussion Band. Einfach der Musik folgen und du stehst irgendwann vor einer tanzenden und trommelnden Gruppe, die sich durch die Straßen bewegt. Das ist die Band Olodum, von der einfach jeder mit dem Rhythmus angesteckt wird. Anschließen und mittanzen ist die Devise! 

Im Cidade Baixa darf  der Mercado Modelo nicht gemisst werden. Vom Zentrum gelangt man in die Unterstadt am besten mit dem Elevador Lacerda, ein Personenlift der zu Beginn des 17. Jahrhunderts gebaut wurde. Ein paar Cent kostet die 20 Sekunden Fahrt und man erreicht bequem Cidade Baixa. Vom Lift sind es nur noch ein paar Meter zum Markt, wo man alles von Kleidung über Lebensmittel und Souvenirs kaufen kann.

Mein persönliches Highlight war der Farol da Barra (Leuchtturm von Barra) aus dem 17. Jahrhundert. Darin befindet sich heute ein Schifffahrtsmuseum, dass sich auf die portugiesische Expansion spezialisiert. Am Dach des Leuchtturms gibt es ein kleines Café, von dort aus lässt sich hervorragend der Sonnenuntergang beobachten.

Mahlzeit: Essen in Salvador

Selbst zu kochen zahlt sich in Salvador kaum aus. Für wenig Geld bekommt man fast an jeder Ecke eine wunderbare Mahlzeit. Zum Mittagessen treffen sich alle in sogenannten Kilo-Lokalen. Auf Buffetbasis sucht man sich sein Menü zusammen, gezahlt wird pro Gramm. Diese Lokale findet man in ganz Salvador, auch vegetarische Optionen sind vorhanden. Unbedingt probieren sollte man um acarajé, eine Art frittierter Burger aus Bohnen und Schrimps. Ich habe mir sagen lassen, dass in einer Portion so viel Kalorien drinnen sind, dass man acarajé nur einmal im Jahr essen sollte. Bekommen tut man es in Barra fast an jedem Eck direkt am Strand.



Weiterreise nach Lençóis - Bahia, Brasilien


Lençóis - Bahia, Brasilien
3 Tage


Eines meiner absoluten Brasilien Highlights war definitiv der Nationalpark Chapada Diamantina. Ich hatte den Wochenendausflug mit einer Schulkollegin geplant. Wir haben uns zwei Tage vorher ein Busticket bei dem Rodoviaria (Busbahnhof) geholt für umgerechnet ca. 20€. 7 Stunden dauert die Fahrt nach Lençóis. Die Busse sind sehr gemütlich, nur leider auch sehr klimatisiert. Ich hatte immer meinen dicken Schlafsack dabei, um mich im Bus zuzudecken, so war die Busfahrt dann auch einigermaßen erträglich. Auch unser Hostel hatten wir im vorhinein gebucht. Wir entschieden uns für die Pousada dos Duendes, eines der tollsten Hostels in dem ich in Brasilien schlafen durfte. Die sehr einfachen Dorms wurden durch das zuvorkommende Personal, den tollen Innenhof mit Hängematten und das reichhaltige Frühstück wett gemacht.

Da wir relativ spät erst ankamen, konnten wir am selben Abend keinen Ausflug mehr in den Nationalpark buchen. Das war aber kein Problem, gleich in der Früh konnten wir uns einem Ausflug anschließen, bei dem noch Plätze frei waren. Den Nationalpark darf man nämlich nicht ohne einheimischen Guide betreten, deshalb ist man relativ abhängig von solchen Ausflügen. Direkt in unserem Hostel konnte man die verschiedenen Trips buchen. Ursprünglich wollten wir einen über mehrere Tage machen, mit zelten und wandern, da ich allerdings einen Tag zuvor noch mit einer Lebensmittelvergiftung im Bett lag, entschieden wir uns spontan für etwas einfacheres. Am ersten Tag hatten wir dann also das Komplettprogramm. Wir fuhren mit einem kleinen Van mit ein paar anderen Hostelgästen durch den Nationalpark und haben an einem Tag so viel unterschiedliche Stellen gesehen dass man glauben könnte, man hätte alles gesehen. Aber es gibt dort natürlich noch soooo viel mehr zu entdecken. Wasserfälle, riesen Grotten, Canyons und alle Arten von Tieren konnten wir hier bestaunen. Eine so große Naturvielfalt hatte ich noch nie zuvor kennen gelernt. Am nächsten Tag gingen wir auf eine eintägige Wanderung quer durch den Park. Ziel war ein atemberaubender Wasserfall. Leider war das Wochenende viel zur kurz um den Nationalpark kennen zu lernen. Das nächste mal bleibe ich bestimmt länger! Auch der kleine Ort Lençóis ist auf jeden Fall einen Besuch wert. Mitten in den Bergen, kleine Häuser im Kolonialstil und Plätze zum verweilen laden ein dort länger zu bleiben. 


Weiterreise nach Praia do Forte - Bahia, Brasilien


Praia do Forte - Bahia, Brasilien
2 Tage


ich hatte mir den Wochenendtrip nicht ausgesucht, sondern habe mich an einige Schulkollegen angehängt, die den Ausflug schon länger geplant hatten. Wäre es nach mir gegangen hätte dieser Kurzurlaub nämlich anders ausgesehen. Wir haben für die Anreise nicht etwa den Bus, sondern ein stinknormales Taxi genommen. Niemals wäre ich auf diese Idee gekommen, trotzdem war die Idee gar nicht so schlecht. Jeder von uns hat umgerechnet 10€ gezahlt, was für brasilianische Verhältnisse natürlich sehr teuer ist, aber für eine einstündige Autofahrt gern in kauf genommen wird. Geschlafen haben wir in einem normalen Apartment, das nicht weiter erwähnenswert ist. Trotzdem muss ich dazu sagen, wenn man einen Ausflug nach Praia do Forte plant, dass man früh genug ein Zimmer reservieren sollte. Der Ort war nämlich restlos ausgebucht am Wochenende. 

Praia do Forte ist ein kleiner touristischer Ort, wo die besser verdienenden BrasilianerInnen am Wochenende entspannen. Es gibt kleine Shoppingmeilen, viele Restaurants an den Straßen und einen Traumstrand. Traumstrände gibt es in Brasilien allerdings fast überall. Dafür muss man nicht unbedingt nach Praia do Forte reisen. Mein Highlight an diesem Kurzurlaub war definitiv das Tamar-Projekt. Eine gemeinnützige Organisation die sich für den Schutz von Meeresschildkröten einsetzen. Das Projekt und die Schildkröten können besucht werde und das ganze ist einzigartig liebevoll aufbereitet. Auch die Piscinas Naturais (natürliche Swimmingpools) sind einen Besuch wert. Am Vormittag kann man Kilometerlang durchs Meer spazieren, ohne bei den Knien nass zu werden. Zwischendurch gibt es immer wieder mal Sandmulden, in denen man baden oder die Fischwelt beobachten kann. 

 



Weiterreise nach Barra Grande - Bahia, Brasilien


Barra Grande - Bahia, Brasilien
3 Tage


Nachdem meine Freundin S. in Salvador gelandet war, hieß es für mich den Rucksack packen und aufzubrechen. Mein eigentliches nächstes Ziel wäre Porto Seguro gewesen, das wir schlussendlich aus Zeitmangel komplett aus unserer Route strichen. S. überredete mich aber zu erst nach Barra Grande zu fahren. Sie hatte nur den kleinen Absatz im Lonely Planet darüber gelesen und wollte dort unbedingt hin. Deshalb ging unserer weiterer Weg mit dem Schiff von Salvador nach Itaparica von wo wir einen Bus nach Camamu nahmen. Camamu ist ein kleines chaotisches, aber sehr herzliches Fischerdorf von wo aus Boote nach Barra Grande geführt werden. Wir kamen mit dem Bus leider so spät in Camamu an, dass wir noch einmal dort übernachten mussten. Direkt bei der Bushaltestelle gibt es das einzige Hostel des Dorfes, es ist leider etwas schäbig, aber für eine Nacht absolut ausreichend. Über den Überfahrtspreis sollte man auf jeden Fall verhandeln. Geht vor bis zum Hafen und lasst euch nicht von Leuten am Weg Tickets andrehen, die sind am teuersten. Wir sind leider auf den Trick reingefallen. 

Die Überfahrt auf die Halbinsel ist traumhaft schön, man glaubt auf eine einsame Pirateninsel zuzusteuern. Wir hatten im vorhinein kein Hostel gebucht, weil wir im Internet einfach keines fanden, sind also auf gut glück dort angereist. Gleich am Steg, wo das Boot anlegte, trafen wir aber auf einen Brasilianer der Zimmer vermietete. Für das Apartment zahlten wir gemeinsam umgerechnet 50€. Relativ teuer also für brasilianische Verhältnisse. Da allerdings Nebensaison war, hatten wir nicht viel andere Möglichkeiten, da die meisten Hotels Winterpause machten. Ein paar Gehminuten von unserem Apartment war der Strand. Kilometer langer Sandstrand mit Palmen so weit das Auge reicht. Die Strömung war leider etwas zu stark um wirklich baden zu gehen. Aber zum Entspannen, für Einsamkeit am Strand und Kokosnuss schlürfen reicht es allemal. Viele Luxushotels sind an dem Strand angesiedelt, doch in der Nebensaison ist hier nichts los. Alles nur für uns. Abends gingen wir in den Ort um zu Essen und Caipirinha zu trinken. Ein kleiner, auch sehr herzlicher Ort. 

 



Weiterreise nach Itacaré - Bahia, Brasilien


Itacaré - Bahia, Brasilien
3 Tage


Mit dem Boot ging es schlussendlich wieder zurück nach Camamu, um dort den Bus nach Itacare zu nehmen. Von Itacare hatte ich in Salvador schon viel gehört. Andere Backpacker hatten es mir empfohlen oder wollten unbedingt dort hin. Da wir die vergangenen Tage in Barra Grande kein Internet hatten, konnten wir auch kein Hostel buchen. Also gingen wir auf gut Glück zu dem Hostel, das uns empfohlen wurde, leider war dieses jedoch ausgebucht und wir mussten auf das nächste ausweichen. Aber keine Sorge, Hostels gibt es in Itacare wie Sand am Meer. Von der Bushaltestelle einfach die paar Meter ins Zentrum spazieren und du wirst ein Hostel nach dem anderen finden. Wir waren schlussendlich im Che Legarto, welches sich als Glücksgriff erwies. Wir haben dort so viel tolle Menschen kennen gelernt und konnten auch keinen Abschied nehmen. Insgesamt blieben wir 5 Tage. Ein kleiner Rekord für uns, da wir sonst nie länger als drei Tage an einem Ort verweilten.

Itacare ist ein ein kleines verschlafenes Hippiedorf, dass als Surferparadies entdeckt wurde und nun ganz gut davon leben kann. An jeder Ecke werden Surfboards verliehen oder Übungsstunden angeboten. Aber auch andere Aktivitäten wie Rafting, Bootsausflüge u.ä. werden angeboten. Die tollen Strände rund um Itacare kann man teilweise zu Fuß erkunden, für einige zahlt es sich aber aus ein Taxi zu nehmen und es mit anderen zu teilen. Das tolle in Itacare ist die Backpacker Community. Gemeinsam organisieren die Hostels Lagerfeuer Events am Strand und alle Reisende können sich so kennen lernen. Es entstehen Freundschaften und man unternimmt gemeinsam Ausflüge. Gerade für Alleinreisende ist Itacare deshalb absolut empfehlenswert. 


Weiterreise nach Rio de Janeiro, Brasilien


Rio de Janeiro, Brasilien
5 Tage


Was man natürlich nicht verpassen sollte ist eine Gondelfahrt (leider nicht billig mit 15€) auf den Pão de Açúcar. Von dort aus hat man eine herrliche Aussicht über Rio. Natürlich ist ein weiteres Highlight der Corcovado, wo sich die berühmte Christusstatue befindet. Die Meisten fahren hier mit der Seilbahn rauf, aber am schönsten ist der Weg noch immer zu Fuß. Über den Parque Lage, in der Nähe vom Jardim Botânico,kommt man über einen wunderschönen, teilweise auch etwas steilen, Wanderweg bis rauf zur Christusstatue. Der Weg dauert ca zwei Stunden und ist gut ausgetreten, es ist also kaum möglich sich dort zu verirren. Unbedingt die Augen offen halten, überall trifft man auf kleine Äffchen, die sogar sehr zutraulich sind. Aber nicht täuschen lassen, einige von denen haben wahrscheinlich die Tollwut…

Nicht verpassen sollte man außerdem das Künstlerviertel Santa Teresa. Vor mehreren Jahren konnte man noch mit der Straßenbahn rauf in das auf einem Hügel liegende Viertel fahren, heute nimmt man lieber die wunderschönen Stiegen Escadaria Selarón, an die der Künstler Jorge Selarón bis an sein Lebensende gearbeitet hat. Der lange Aufstieg lohnt sich. Wunderschöne alte Häuser reihen sich an einander und kleine Cafes und Läden laden überall zum verweilen ein. Gerade vegetarische Restaurants findet man hier oben einige. 


Weiterreise nach Petrópolis - Rio de Janeiro, Brasilien


Petrópolis - Rio de Janeiro, Brasilien
1 Tag


Das 18. Jahrhundert, zurück in eine Zeit, wo Brasilien noch Kaiserreich war. Es kamen uns Kutschen entgegen und die Architektur erinnert an barocke Bauten aus Wien. Ganz irritiert fanden wir uns in einem zuckersüßen deutschen Cafe names Chocolates Katz wieder und aßen dort Apfelstrudel. Weiter ging es in das Museu Imperial, das ehemalige Residenzschloss des Kaisers. Hier vermischt sich das portugiesische Königshaus mit der Habsburger Tradition. Wirklich einmalig so etwas in Südamerika zu sehen. Gleich im Anschluss sollte man sich noch in das dazu gehörende Café setzen, wo es auch tolle Mehlspeisen gibt! Wir waren ganz Hin und Weg von dieser kleinen Stadt in den Bergen. Ich werde auf jeden Fall wieder kommen. 



Weiterreise nach Ilha Grande, Rio de Janeiro, Brasilien


Ilha Grande, Rio de Janeiro, Brasilien
4 Tage


Ilha Grande war einer meiner Lieblingsorte auf meiner Brasilienreise. Grund dafür ist einfach dieses Paradiesische, ohne zu viel Touristen und das aller Beste: Es gibt keine Autos auf der Insel! Um an die verschiedenen Strände zu kommen muss man also durch den Jungel wandern (teilweise über mehrere Stunden) oder nimmt ein Boot, das dich bequem dort hin bringt. Wir sind damals alles zu Fuß gegangen und wir haben es geliebt! Begleitet von dem Gegröle der Affen und immer wieder entdeckt man etwas neues. Ein toller Ausflug ist auch die 5 Stündige Wanderung auf den Pico do Papagaio, einem Berg inmitten der Insel, von dessen Spitze man alles überblicken kann. Es gibt zahlreiche Ausflüge zu Stränden und Wasserfälle, die man dort machen kann. Aber nicht alle sind gut beschlidert, für einige sollte man einen örtlichen Guide mitnehmen. Diese Insel hätten wir eigentlich nie verlassen dürfen, oder einfach direkt von dort nach Curitibafahren. Denn die darauf folgenden beiden Ziele hätte ich mir auch sparen können. 


Weiterreise nach Paraty - Rio de Janeiro, Brasilien


Paraty - Rio de Janeiro, Brasilien
4 Tage


Von Paraty habe ich zuvor viel gelesen. Nur gutes. Leider hab ich mit dem Ort keine große Freundschaft geschlossen, das mag vielleicht daran liegen, dass genau zu dem Zeitpunkt als wir ankamen das jährliche Cachaça Festival (Festival da Pinga) statt fand und der Ort an den Ballermann erinnerte. Versteht mich nicht falsch, ich liebe Festivals und ich liebe Cachaça! Nur leider war ich nicht auf eine Kombination aus beidem vorbereitet, das war natürlich mein Fehler, weil ich verpasst hatte nachzusehen, wann denn das Festival tatsächlich statt findet. Wir kamen also im überfüllten Bus in Paraty an und waren wieder einmal verzweifelt, weil wir nicht wussten wo wir schlafen sollten. Der ganze Ort war natürlich restlos ausgebucht, wir klammerten uns deshalb an einen Hostelmitarbeiter, den wir zufällig am Busbahnhof trafen und der uns Hoffnungen machte, dass wir in einer Hängematte übernachten könnten. Leider ließ uns die Frau an der Rezeption das nicht durchgehen, sie bot uns hingegen übrig gebliebene Betten für umgerechnet 30€ an (was in Brasilien eine Frechheit ist). Wir gaben nach und nahmen uns die überteuerten Betten für zwei Nächte. Schon mal nicht so der tolle Start für den netten Ort.


Weiterreise nach São Paulo, Brasilien


São Paulo, Brasilien
3 Tage


Um 5 Uhr Früh kamen wir mit dem Bus aus Paraty in Sao Paulo am Busbahnhof an. Der Rodoviária (Busbahnhof) dort ist so groß, dass ich für ein paar Reais ein Dusche nehmen konnte und auch unsere Rucksäcken gönnten wir eine Pause und ließen sie dort Tagsüber ruhen. Das erste Mal auf unser Reise würden wir nicht in einem Hostel übernachten, sondern waren bei einer deutschen Auswanderin eingeladen bei ihr zu bleiben. So etwas hat immer Vor- und Nachteile. Ein großer Pluspunkt war natürlich die nette Gesellschaft und kein Geld für ein schäbiges Bett auszugeben. Der Nachteil im unserem Falle war, dass wir erst spät Abends bei Ihr auftauchen konnten, weil unsere Freundin so lange in der Arbeit war. Wir hatten also von 5 Uhr Früh bis 8 Uhr Abends Zeit São Paulo kennen zu lernen und wir waren schon zu beginn tot müde. Da wir relativ unmotiviert an diesem Tag waren kann ich nur schlecht eine objektive Meinung zu dieser Millionenmetropole abgeben. Einerseits war ich fasziniert von dem Treiben in der Großstadt und den Wolkenkratzer, andererseits machen mir so große Städte immer schnell angst und ich fühl mich verloren. 

 

Ganz zu Beginn sind wir also in die Innenstadt gefahren und haben uns am Mercado Municipal mit Snacks und echten italienischen Kaffee versorgt. Ja, nach São Paulo sind viele Italiener ausgewandert. Deshalb findet man hier auch die berühmten Mortadella Sandwiches, die für meinen Geschmack aus zu viel Wurst und zu wenig Brot bestehen. Danach besuchten wir die brasilianische Bank Banespa. Nicht etwa, weil wir Geldprobleme hatten, sondern weil man von dessen Wolkenkratzer die beste Aussicht über ganz Sao Paulo hat. Das tolle: Es ist Gratis! Um den schönen sonnigen Tag nicht nur zwischen Wolkenkratzer zu verbringen, führte unserer nächster Weg in den Parque do Ibirapuera, die größte Grünfläche der Stadt. Dort legten wir uns zu erst mal zwischen ein paar Bäume, um dort genüsslich den wohlverdienten Schlaf nachzuholen. Den Nachmittag ließen wir dann bei einer kleinen Shoppingtour in der Rua Oscar Freire ausklingen. Hier gibt es unter anderem auch einen riesengroßen Hawaianas Store. 



Weiterreise nach Curitiba, Paraná, Brasilien


Curitiba, Paraná, Brasilien
3 Tage


Hätte ich in Curitiba nicht einen Freund, währe ich in diese südliche Stadt wohl nie gekommen. H. habe ich damals in Portugal kennen gelernt und hat mich kurz darauf auch in Graz besucht um mit mir gemeinsam in den Alpen zu wandern. Nun war ich an der Reihe nach Brasilien zu kommen, um dort mit H. im brasilianischen Jungel Berge zu erklimmen. Gewohnt haben wir für die nächsten Tage bei seiner Familie, die unglaublich herzlich war. Seine Großmutter kommt ursprünglich auch Deutschland und die hat sich gefreut wieder einmal deutsch mit jemanden zu sprechen. Curitiba ist ganz anders als dass was wir bisher in Brasilien gesehen haben. Plötzlich erspäht man Tannenbäume, deutsche Architektur, Gedichte von Goethe und blonde Menschen. H. zeigte uns einige seiner Lieblingsplätze in der Stadt und schlussendlich gingen wir noch in ein deutschen Bierlokal um dort Schnitzel zu essen. Sehr seltsam, aber irgendwie auch sehr vertraut. 

Unsere Wanderung war das eigentliche Ziel in Curitiba und nach einer ersten kurzen Nacht in H.’s Elternhaus ging es auch Los. In der Innenstadt nahmen wir recht zeitlich einen Bus der uns zu unserem Beginn des Trails durch den Parque Estadual do Marumbí brachte. In Brasilien muss man sich bevor man Wanderwege betritt immer an einem dort platzierten Schalter melden. Damit weiß man, wie viele Leute sich im Park befinden und wie viele am Ziel ankommen. Falls also etwas passieren sollte, wird die Person am Schalter es zu erst erfahren. Unser erste Wandertag verlief sehr gemütlich, mit nur wenig Steigung über alte Pionierwege aus dem 17. Jahrhundert. Auf der selben Strecke verkehrt auch eine der letzten Eisenbahnen Südamerikas, diese transportiert Soja von Paraguay bis ans Meer. Unser Trail ging deshalb auch oft über schwindelerregende Eisenbahnbrücken und durch enge, dunkle Tunnel, in denen dir jeder Zeit ein Zug entgegenkommen könnte. Neben Spinnen, exotischen Pflanzen, dem ständigen Gegröle der Brüllaffen, war ein absolutes Highlight die orangen Waschbären, die zwischen den Eisenbahnschienen herum spazierten.

 



Weiterreise nach Foz do Iguaçu, Paraná, Brasilien


Foz do Iguaçu, Paraná, Brasilien
2 Tage


Von Curitiba dauert die Busfahrt 7 Stunden bis in die kleine Stadt am Wasserfall, wir waren über Nacht unterwegs uns sparten uns so ganz bequeme eine Unterkunft. Es war bereits Ende August als wir dort ankamen und es war leider bitterlich kalt (10-15°C) und es nieselte ab und an. Das wärmste was ich dabei hatte war eine Jeansjacke, was ich dort ziemlich bereute. Unser Hostel brauche ich nicht zu erwähnen, da es leider an ein schlechtes Hotel erinnerte und in der Stadt ist leider auch nicht sonderlich viel zu tun. Wir fuhren also gleich in der Früh zum Parque Nacional do Iguaçu, der wirklich außerordentlich beeindruckend ist. Nach einer Stunde Fotos knipsen und dem Ausprobieren sämtlicher Aussichtsplattformen waren wir patsch nass, was bei den Temperaturen etwas unlustig war. Zu unserer Freude war auch beim Wasserfall und vor allem bei den Mülltonnen alles voll mit unglaublich süßen Waschbären. 

Am nächsten Tag überredete uns H. den ITAIPU Staudamm zu besichtigen. Das ist einer der größten Staudämme der Welt und befindet sich genau an der Grenze zu Paraguay. Dort angekommen, wurden wir in einen Sightseeing Bus gesteckt und die ganze Geschichte der Entstehung wurde uns geschildert, ebenso wurde uns immer wieder eingebleut, wie sauber, ökologisch und wertvoll dieser Wasserfall nicht sein. Natürlich, die Bauweise und Architektur war wirklich beeindruckend, aber die damit entstandene Vernichtung des Lebensraums von Pflanzen und Tierwelt ist dafür einfach keine Entschuldigung, meiner Meinung nach. Um ein wenig Abwechslung zu bekommen, nahmen wir danach einen Bus der uns zur offiziellen Grenze zu Paraguay brachte. Am besten funktioniert das passieren der Grenze zu Fuß über die mächtige Brücke, danach erreicht man die Ciudad del Este. Hier kommen viele BrasilianerInnen hin um zollfrei einzukaufen und vor allem technische Schnäppchen zu ergattern. Auch H. war mit einer Mission hier, er sollte etwas für den Computer seines Vaters besorgen, das sich dann schwieriger als erwartet herausstellte. Der Kulturschock ist ziemlich groß, wenn man brasilianische Städte gewohnt ist. Die paraguayische Grenzstadt ist schmuddelig, laut und überall gibt es billig Ware zu erstehen. 



Weiterreise nach Brasília - Brasilia, Brasília - Distrito Federal do Brasil, Brasilien


Brasília - Brasilia, Brasília - Distrito Federal do Brasil, Brasilien
2 Tage


24 Stunden saßen wir im Bus von Foz do Iguaçu nach Brasília. Im Nachhinein möchte ich gerne vor so einer Busfahrt abraten. nehmt das Flugzeug wie jeder Brasilianer auch! Es spart Zeit und wahrscheinlich auch Geld. In Brasília gibt es ein einziges Hostel. Meidet es, wenn ihr könnt! Außer einer netten Aussicht hat das Jugendgästehaus fern vom Zentrum der Stadt nichts zu bieten und billig ist es auch nicht. Brasília ist die Fußgängerunfreundlichste Stadt, die ich je besuchen durfte. Es gibt ein öffentliches Verkehrsnetz das allerdings enorm schlecht ausgebaut ist. Jeder der in dieser Stadt wohnt, und ich meine damit nicht jene, die am Rande in einer Favela angesiedelt sind, haben einen Job in einer der Regierungsgebäude und können sich somit ein eigenes Auto leisten. Als wir an unserem ersten Tag auf den Bus in die Stadt gewartet haben, hielt sogar ein schwarzer Mercedes an, dessen Fahrer uns anbot uns mitzunehmen, da die Busse nun mal so unregelmäßig fuhren. Wir ließen uns mit einem Kindersitz überzeugen (ein Auto mit Kindersitz = glückliche Familie = vertrauenswürdiger Mann = unsere Logik) und stiegen ein. Im Nachhinein stelle sich heraus, dass er geschieden ist und uns gerne wieder gesehen hätte, wir gaben ihm eine falsche Telefonnummer.

 

Trotz allem haben wir fast all unsere Ziele zu Fuß erreicht. Die meiste Zeit sind wir allerdings planlos herum gelaufen ohne eine Ahnung zu haben, wo wir uns befinden und wie weit unser Ziel noch entfernt ist. Sehenswert ist die Aussicht vom Fernsehturm, das Parlament und die Niemayer-Bauten, die sich an der Hauptstraße entlang ansiedeln. Dann wird es einem (oder zumindest mir) aber auch schön langsam langweilig. Am zweiten Tag ließen wir uns vom Taxi in den Parque Nacional de Brasília führen. Der Taxi Fahrer wusste gar nicht, was wir meinten und wir mussten ihm ansagen, wo er hinfahren musste. Der Nationalpark war dafür der absolute Hammer! Leider ist nur ein kleiner Teil davon zugänglich. Es gibt Spazierwege durch den Urwald mit Beschilderung von Flora und Fauna und zwei große Piscinas Naturais, also Seen die als Pool ausgebaut wurden. Dieses wunderschöne Stück grün ist Anlaufplatz für jene Familien, die sich das Flugticket nach Rio übers Wochenende nicht leisten können. Und glaubt mir, dass können sich die meisten dort leisten. direkt im Dschungel in den Pool springen, während dir die Affen die Jause aus dem Rucksack klauen. Ein tolles Erlebnis. Hin zu kommen ist ein Problem, wieder in die Stadt zurück zu kommen ein ganz anderes. Wenn man also weder Taxinummer, noch Handy dabei hat, bleibt nur noch die Möglichkeit Auto zu stoppen. Tatsächlich haben gleich ein paar junge Männer angehalten und haben uns mit Freunde ins Hostel gebracht. 



Weiterreise nach Salvador, Bahia, Brasilien


Salvador, Bahia, Brasilien


Von Brasília ging es mit dem Flugzeug dann wieder zurück nach Salvador und von dort hatten wir den Langstreckenflug mit Condor nach Frankfurt am Main. Dort angekommen mussten wir “nur noch” 6 Stunden auf unseren Anschluss nach Wien warten. Unsere Brasilien Reise war wirklich atemberaubend schön und so abwechlungsreich wie es wohl in keinem anderen Land möglich wäre.